Geothermie – die Hoffnung steckt noch in Kinderschuhen

Medienmitteilung

Geothermie – die Hoffnung steckt noch in Kinderschuhen

Im gutbesuchten ersten Vortrag des Informationszyklus „Geothermie“ der Grünliberalen Stadt St.Gallen hat Niklaus Zepf (Corporate Development Axpo Holding, Verwaltungsrat der Geopower Basel) einen interessanten Einblick über Chancen und Risiken der Geothermie gegeben. Zepf bezeichnete die Geothermie für schweizerische Verhältnisse als die sinnvollste aller erneuerbaren Energien, besser als Solar- und Windenergie, welche beide darunter leiden, dass die Stromproduktion unregelmässig und teils zum falschen Zeitpunkt erfolgt.

Niklaus Zepf zeigte die heutigen Grenzen der Geothermie auf: Ausserhalb der konventionellen Wärmepumpen für Wohnhäuser, welche maximal 200 Meter tiefe Bohrungen verlangen, handelt es sich um eine junge Disziplin, welche sich in den Kinderschuhen befindet. Erkenntnisse und auch Bohrkonzepte der Ölwirtschaft lassen sich nur sehr bedingt auf die Geothermie übertragen.
Die hydrothermale Geothermie (wie in St.Gallen geplant) weist nebst den Risiken der Bohrung (über 2‘500m Tiefe), vor allem das Risiko auf, dass keine geeignete Wasserschicht gefunden werden könnte. Das Risiko kann mit dem Einsatz der weltbesten Fachleute reduziert, nicht aber eliminiert werden. Die petrothermale Geothermie ist noch risikobehafteter: nebst der Bohrung (über 4000 m Tiefe) ist hier ein weiteres Risiko vorhanden: Wasser wird bei diesem Verfahren in heisse Gesteinsschichten gedrückt. Durch den Druck sollen Risse im Gestein verursacht werden. Durch diese Risse wird nun das Wasser gepresst und damit erwärmt und anschliessend zur energetischen Nutzung wieder an die Oberfläche gebracht. Diese Risse können aber auch Erdstösse wie am 8.12.2006 in Basel verursachen. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Vermeidung solcher Erdstösse fehlen zurzeit noch.


Wie weiter mit der Geothermie?

Für die Zepf ist ganz klar, dass auf die Geothermie gesetzt werden soll. Beispielhaft sei das Projekt in Zürich, welches sich ganz bewusst nicht allzu hohe Ziele gesetzt hat und damit dieser jungen Energiequelle einen positiven und in der Bevölkerung akzeptierten Schritt ermöglicht, ohne unrealistisch hoch gesteckte Erwartungen zu enttäuschen.
In der anschliessenden Diskussion rund um das Projekt in St. Gallen riet Zepf, die Erwartungen nicht zu hoch zu stecken, nur mit den besten Spezialisten zu arbeiten und vor allem in der Vorphase des Projektes genügende Zeit und Geld zu investieren.

 

Am Montag, 2. November, 19:00 im Zimmer 122 des Hauptbahnhofs St.Gallen, folgt die Veranstaltung mit dem Leiter des städtischen Geothermie-Projektes, Marco Huwiler wird nebst dem Status der aktuellen Arbeiten, die konkreten
Ziele und das geplante Vorgehen der Stadt vorstellen.