Schon lange erinnert die Parkplatzstrategie der Stadt St.Gallen an ein Trauerspiel – soweit überhaupt eine erkennbar ist. Dabei liesse sich das vielerorts an seine Leistungsgrenzen stossende Strassennetz via Parkierungsangebote steuern. Der gestrige stadträtliche Entscheid, zusätzlich zum Parkhausausbau am Unteren Graben auch am Schibenertor eine Parkgarage zu bewilligen, zeigt einmal mehr die problematische Verbandelung zwischen Stadtrat und Parkgaragenbetreibern: Der Entscheid widerspricht klar dem vom Stimmvolk mehrfach an der Urne manifestierten Willen.
Â
Erst knüpfte die Verwaltung die Aufwertung des Markplatzes unnötigerweise an das von Anfang an umstrittene Parkhaus ‚Schibenertor‘ und kassierte prompt ein Volks-Nein, notabene nach erheblichem Planungs- und Werbeaufwand. Nun will der Stadtrat entgegen dem Volkswillen sowie den klaren Ergebnis der von Ihm bestellten VOX-Analyse nicht nur die ursprünglich als Alternativvariante ins Spiel gebrachte Parkgarage Unterer Graben erweitern, sondern zusätzlich auch am Schibenertor dem unter dem Namen ‚Union-Plus‘ aufgewärmten Parkgaragenprojekt die Konzession erteilen.
Â
Klar ist es angebracht, zentrale oberflächliche öffentliche Räume höherwertigen Nutzungen zu widmen als dem Parkieren von Autos. Von daher ist die Verlagerung von Parkplätzen in den Untergrund grundsätzlich begrüssenswert. Ob allerdings am Marktplatz Bedarf für zusätzliche Tiefgaragenplätze besteht, bleibt angesichts der vielen Parkhäuser in nächster Nähe eine Behauptung. Auswertungen des St.Galler Parkleitsystemes PLS zeigen jedenfalls, dass dort fast durchgehend mehr als 100 (!) freie Plätze verfügbar sind. An der diesmal wenigstens ohne öffentliche Querfinanzierung wiederaufgelegten Zwängerei am Schibenertor sind und bleiben jedoch die völlig deplazierten Rampen hoch problematisch. Denn sie verbauen an diesem zentralen Ort eine sinnvolle Stadtentwicklung auf lange Zeit.
Â
Mit Blick auf die Abstimmungsresultate zum Verkehrsreglement, zur Marktplatzvorlage und ähnlichen Vorlagen fragen sich die Grünliberalen ernsthaft, wie oft das St.Galler Stimmvolk seiner Regierung den Weg Richtung nachhaltige Stadt- und Verkehrsentwicklung noch weisen muss, bis diese endlich dazu bereit ist, ihm in ihrem täglichen Wirken zu folgen?