Freitag, 14. März 2025

Keine 3. Röhre, wie weiter?

Der jüngste Verkehrsvorstoss bezüglich Autobahnausbau in der Ostschweiz zeugt nicht nur von einem fragwürdigem Demokratieverständnis, sondern auch vom ideologiebasiertem Festhalten an nicht zukunftstauglichen Problemlösungsrezepten. Die Grünliberalen rufen zu einer Versachlichung der Diskussion auf. Weder die stetige Erfüllung der vermeintlich erforderlichen Nachfrage nach MIV-Kapazitäten, noch die Rufe nach autofreien Städten bringen uns weiter.

Die Energiewende steht erst am Anfang. Nicht nur klimapolitische Gründe, sondern auch die zunehmende Wirtschaftlichkeit werden sie vorantreiben und somit auch die Elektrifizierung des motorisierten Individualverkehrs (MIV). Den MIV mit dem Argument der Klimaschädigung bekämpfen zu wollen, wird zunehmend fragwürdig. Lärmemissionen, Sicherheit und vor allem die fehlende Flächeneffizienz hingegen lassen sich auch mit Elektroantrieb nicht beseitigen.

 

Mehr Flächeneffizienz im Verkehr

Seit Beginn der Motorisierung wurde der wachsende Verkehr stets mit Ausbauten begleitetet. Dafür fehlt künftig jedoch zunehmend der Platz. Während auf dem Land «nur» Kulturland dem Verkehr geopfert wird, stösst innerhalb der Städte der Ausbau sowohl für den fliessenden, als auch den ruhenden Verkehr an bauliche Grenzen. Dass zusätzliche Spuren vor der Stadt zu Mehrverkehr in der Stadt führen, ist eine Erkenntnis, die sich auch in der breiten Bevölkerung inzwischen durchsetzt. Gerade in St.Gallen ist der Strassenraum knapp. Oft muss zwischen Radstreifen oder Begrünung und Parkierung entschieden werden – für beides reicht der Platz nicht.

Die Grünliberalen sind daher gegen jeglichen Kapazitätsausbau für den MIV. Die Verkehrszahlen in St.Gallen stagnieren oder sind gar rückläufig. Das Mobilitätskonzept 2040 der Stadt St.Gallen zeigt Wirkung. Ein Ausbau würde dieses unterlaufen und unweigerlich zu eine Verkehrszunahme und zu Engpässen im Stadtzentrum führen. In diesem Sinn erteilt die GLP dem Autobahnausbau erneut eine Absage, zumal der Autoanteil am Gesamtverkehrsvolumen in St.Gallen jetzt schon der höchste in der Schweiz ist.

 

Rosenbergsanierung ist ohne dritte Röhre zu bewältigen

Ein Problem wird hingehen die bevorstehende Sanierung des Rosenbergtunnels darstellen. Als Folge des Abstimmungsresultats vom 24. November 2024 ist der Bau einer dritten Röhre vom Tisch. Für die GLP steht eine Sanierung durch Nacht- und Wochenendsperrungen mit gleichzeitiger Umsetzung eines Bündels von Verkehrsmassnahmen im Vordergrund: Ausbau von attraktiven und direkten Veloschnellrouten, Verbesserung des öffentlichen Verkehrs in der ganzen Agglomeration mit dem Kern eines 15-Minuten-Takts für die S-Bahn und Ausbau der Bahnhöfe zu Mobilitätshubs. Für den MIV sehen sie Tempoanpassungen und Pförtneranlagen zu dessen Verflüssigung im Stadtgebiet vor. Um Spitzenzeiten zu brechen, könnte dies – wie üblich, wenn die Nachfrage höher ist als das Angebot – über den Preis gesteuert werden. Mobilität darf zu Spitzenzeiten teurer sein als in Randzeiten. Mit einer City-Maut könnten Wahl von Verkehrsmittel und Zeitpunkt der Reise gelenkt werden. Mobilitätsgutscheine würden Nachteile weniger Begüterter abfedern.

 

Umleitung nur in eine Fahrtrichtung

Als Umleitung für die gesperrte Autobahn zwischen St.Fiden und Kreuzbleiche wäre die Route Sonnenstrasse – Unterer Graben – Rosenbergstrasse betroffen, welche in Westrichtung temporär möglich wäre. Der Gegenverkehr würde die Knoten Kreuzbleiche und Platztor stärker belasten, weshalb durch entsprechende Verkehrsführung dieser auf der Autobahn belassen werden sollte.

Würde sich eine Sanierungsröhre als unumgänglich erweisen, so könnte diese auf den bergmännischen Teil beschränkt werden. Unter den Olma-Hallen besteht kein Totalsanierungsdruck, weshalb eine Notröhre erst ca. unter der St.Jakobstrasse abzweigen müsste. Der Bauzugang wäre via Jägerstrasse möglich. Vorteil dieser Lösung wäre die Schonung von Olma-Areal und St.Fiden-Anschluss. Dies und die Beschränkung auf zwei Spuren im Sanierungstunnel würde auch Kosten sparen.

 

Tunnelbauten belasten das Klima

Für die Grünliberalen steht jedoch der Verzicht auf Tunnelbauten auch wegen deren hohem CO2-Ausstosses im Vordergrund. Die möglichen 450'000 Tonnen CO2, welche durch den Bau von Zubringer Güterbahnhof und Liebeggtunnel freigesetzt worden wären, waren für die GLP mit ein Grund für die Bekämpfung der Teilspange. Deren Umsetzung hält die GLP nicht zuletzt auch aufgrund des Mitwirkunsgberichts für technisch fast unrealistisch.