Fänden hiesige Regierungswahlen ohne Auswahl statt, so würde Bundeshausredaktor Trütschs Diagnose bestätigt, St.Gallen sei «angweilig» – zumal die politische Auseinandersetzung fehlt. Dass dies nicht so bleiben muss, liegt nicht in der alleinigen Verantwortung von uns Grünliberalen – wiewohl wir jene Partei mit dem höchsten Anspruch sind, uns unserer Verantwortung für eine urban-nachhaltige Zukunft zu stellen. Mit Veit Rausch sind wir aber in der privilegierten Lage, eine so farbige wie ernst zu nehmende Alternative zur vorherrschenden ‚grau-beigen‚ Verwaltungsmentalität einbringen zu können.
Ursprünglich eröffnete ja die Partei unseres altgedienten Stadtpräsidenten den Wahlkampf zur den Erneuerungswahl der Stadtregierung mit der Aussage, sie erachte es als ihre Pflicht „im Rahmen der Wahlen eine echte Auswahl zu ermöglichen“. Dieser Aufforderung zum Tanz mochte allerdings keine der alt-etablierten Parteien folgen: Was die eigentlichen Stadtratsposten betrifft, steht zwar mit einem Sicherheitsfachmann und einer Sozialpädagogin für einige Direktionen unterschiedliches Know-how zur Auswahl; zum neuerdings separat von seinen vier StadtratskollegInnen wählbaren Stadtpräsidenten schien jedoch niemand eine Alternative einzufallen. Wenn aber ausgerechnet für die Funktion mit dem grössten Wahrnehmungspotential – das Stadtpräsidium – mangels Mitbewerbern schon die erste ‚Wahl‘ nach neuem Modus zur pseudo-demokratischen Alibiübung zu verkommen droht, so lässt sich dies als Sinnbild für die Fälligkeit politischer Um- und Aufbrüche verstehen: Irgendwie kommen die bestehenden Strukturen einfach nicht mehr vom Fleck…
Nachdem in St.Gallen sogar die grösste Oppositionspartei nach pompös angekündigtem Medien-Event lediglich verlauten liess, sie trete für die Exekutivwahlen gar nicht an, mussten wir Grünliberalen uns als Nichtregierungspartei der nachfolgenden Grössenordnung umso präziser überlegen, wie ein optimales Anforderungsprofil für zentrale Führungsfunktionen dieser Stadt aussehen sollte: Idealerweise wohl eine Unternehmerpersönlichkeit mit fester Verwurzelung in unserer Gegend, die auch international so renommiert wie erfolgreich ist. Ein Schnelldenker mit breitem Hintergrundwissen, innovativen Ideen und gesundem Sportsgeist. Als versierter Gestalter eine echte Alternative zu den hierzulande dominierenden Verwalter-Naturen…
Natürlich war auch uns Grünliberalen klar, dass derart profilierte Zeitgenossen selbst in St.Gallen mit seinen vielfältigen Talenten keineswegs auf den Bäumen wachsen. Unsere Stadt brauchte daher etwas Fortune, damit so jemand sich auf eine – seien wir ehrlich – wenig ‚dankbare‘ Kandidatur einlässt. Noch dazu, wenn gar kein Bisheriger seinen Posten zur Verfügung stellt…
Da geböte wahltaktische Berechnung, mit jemand auf ‚Ochsentouren‘ stromlinienförmig Geschliffenen einen beliebigen ‚Posten‘ anzuvisieren: traditionell übervertretene Parteien beherrschen solche Spielchen virtuos. Ist aber dieses Taktieren auch das Beste für St.Gallen? Zum Glück haben wir mit Veit Rausch in unseren Reihen einen bekennenden Liebhaber dieser Stadt, der ihre so reichhaltigen wie in weitgehend ungenutzt gebliebenen Potentiale klar erkennt. Da nach seiner Überzeugung sich alle dort engagieren sollten, wo ihre Fähigkeiten optimal zur Wirkung kommen, steht er nicht für irgendein Exekutivamt zur Verfügung sondern ‚lediglich‘ für jenes, das am besten zu seinen vielfältigen Talenten passt. Mit der Bereitschaft, sein florierendes Unternehmen auf Eis zu legen um seine Fähigkeiten in den Dienst unserer Gemeinschaft zu stellen, ermöglicht er unseren Bürgerinnen und Bürger eine echte Auswahl darüber, ob alles beim Altvertrauten bleiben soll oder ob St.Gallen reif ist für einen echten Aufbruch: Ist diese Stadt bereit für ein Vorwärts zu jener Bedeutung, die ihrem Potential ungleich besser gerecht würde als deren Ruf zuverlässig-‚brötiger‘ Langeweile?
Die Antwort darauf geben letztlich weder (die bei Persönlichkeitswahlen sekundären) Parteien noch Medienschaffende, sondern bereits in knapp zwei Monaten unsere Stimmbürgerinnen und Stimmbürger.
Thomas Brunner, Vorstandsmitglied und Stadtparlamentarier