Die Initianten der JuSO-Initative „Gratis ÖV für unter 25jährige“ verlangen von der Stadt, dass diese allen ihren Bewohnern zwischen sechs und 25 Jahren ein Jahresabonnement für sämtliche öffentlichen Verkehrsmittel auf dem Stadtgebiet und in der Umgebung bezahle. Nach dem Beschluss des Stadtparlamentes wurde die Initiative ohne Gegenvorschlag abgelehnt. Die Stimmbürger habe Gelegenheit, am 17. Juni 2012 über die Initiative zu entscheiden.
Die Grünliberalen Stadt St. Gallen sind überzeugt, dass diese Initiative kein taugliches Mittel zur Förderung des öffentlichen Verkehrs ist und zu einer ungerechten und für den Stadt-Haushalt nicht tragbaren Bevorzugung einer einzelnen Altersgruppe führt. Die Initiative wird deshalb zu Ablehnung empfohlen.
Mobilität ist ein wertvolles Gut, das nicht unbegrenzt verfügbar ist. Wenngleich der öffentliche Verkehr sehr viel ressourcenschonender als der motorisierte Individualverkehr ist, hat auch dieser seinen Preis. Für den Betrieb des öffentlichen Verkehrsnetzes werden ebenso Energie und beträchtliche Investitionen in eine funktionierende Infrastruktur benötigt. Den Nutzern sollte der Wert ihrer Mobilität deshalb bewusst sein. Eine kostenlose Verfügbarkeit öffentlicher Verkehrsmittel widerspricht dem Gedanken, dass auch das Produkt „Mobilität“ nur gegen eine angemessene Gegenleistung zu haben ist. Die Erkenntnis, „was gratis ist, ist nichts wert“, hat sich heute weitgehend durchgesetzt. Im Umkehrschluss bedeutet dies für die Initiative der JuSo: „Was etwas wert ist, darf auch etwas kosten“.
Eine Verlagerung vom Individual- auf den öffentlichen Verkehr ist für die GLP ein zentrales Anliegen. Bereits heute kommt es an zahlreichen Stellen zu täglichen Überlastungen des städtischen Verkehrsnetzes. Mit der prognostizierten Zunahme der Bevölkerung sowie des entsprechenden Mobilitäts-Bedarfs wird sich dieses Problem künftig noch verstärken. Dort wo ein wirksamer Verlagerungseffekt zu erwarten ist, sind öffentliche Mittel deshalb gut eingesetzt. Die Initiative zielt indes genau in die falsche Richtung. „ÖV oder Auto“, das ist bereits heute keine Kostenfrage, sondern von Faktoren wie Verlässlichkeit, Bequemlichkeit, Zeitgewinn und auch Status abhängig. Eine nennenswerte Verkehrsverlagerung würde die Initiative deshalb nicht mit sich bringen. Stattdessen führt sie zu einer ungewollten Konkurrenzierung des Fussgänger- und Veloverkehrs, was weder aus verkehrs- noch gesundheitspolitischer Sicht zu begrüssen ist.
Zudem stehen die Mittel, die bei Annahme der Initiative aufgewendet werden müssten, in keinem vernünftigen Verhältnis zu dem erklärten Ziel der Initianten Junge und Familien entlasten zu wollen. Ein Jahresabonnement „Ostwind Zone 10“ kostet eine unter 25järige Person umgerechnet auf einen Tag rund Fr. 1.35. Mit der Junior- und Enkelkarte sowie dem Gleis7 bestehen zusätzliche Vergünstigungen für diese Altersgruppe. Dagegen würden die Kosten der Initiative gemäss dem Stadtrat mit jährlich 7 Millionen Franken zu Buche schlagen. Entgegen ihrem Titel bewirkte die Initiative schliesslich nicht, dass der ÖV „gratis“ zu haben wäre. Die Kosten würden lediglich von einer Altersgruppe auf andere überwälzt. Und dies unabhängig von der Bedürftigkeit der begünstigten Personen. Nicht nur in Zeiten einer angespannten Haushaltslage ist eine solche Giesskannenpolitik abzulehnen.
Für die GLP ist diese Initiative sachpolitisch falsch und entpuppt sich als reine Klientelpolitik der JuSo. Erstaunlicherweise kommt die Initiative, die den öV zum unbeschränkt verfügbaren Gratisgut erklären will, gerade aus der politischen Ecke, die gerne den grenzenlosen Konsum anprangert. Auch passt das von den Initianten angeführte Argument, mit der Initiative werde das Problem des illegalen „schwarz Fahrens“ gelöst, nicht zu der Forderung nach moralisch korrektem Verhalten aller Mitglieder der Gesellschaft.