Im Städtevergleich liegen in St.Gallen sowohl die Anteile des Fuss- als auch des öffentlichen Verkehrs im Rahmen der Vergleichszahlen – was angesichts der attraktiven Angebote nachvollziehbar ist. Nicht so beim zweirädrigen Langsamverkehr: Hier schöpft St. Gallen sein städtisches Potential bei weitem nicht aus. Vorschnell wird die im Vergleich zu anderen Städten erschreckend tiefe Velo-Quote gern als Folge topografischer Verhältnisse interpretiert, die Grünliberalen (glp) der Stadt St. Gallen sehen dies aber differenzierter. Auch wenn St.Gallen höher liegt als andere Städte und es bei Querbeziehungen nicht die ideale „Velostadt“ ist, für die enormen Unterschiede im Velogebrauch kann dies nicht der alleinige Grund sein. Schliesslich verläuft die St.Galler Hauptachse Ost-West und ist somit relativ ‚flach‘. Zudem gibt es auch in anderen Städten starke Steigungen und bei schlechtem Wetter kann jederzeit auf den Bus umgestiegen werden.
Die „Angebote“ (sprich die St.Galler Velowege) sind ganz einfach zu wenig attraktiv um St. Gallerinnen und St. Gallern das Velofahren „gluschtig“ zu machen. So enden Velowege vielfach vor heiklen Kreuzungen, Wartezeiten an Lichtsignalen sind viel länger als diejenigen für Autofahrer und oft ist sogar ein Parkplatz für das Auto einfacher zu finden als für das Velo.
Zu einem guten Angebot würden beispielsweise auch im Winter durchgängig frei gehaltene Velowege gehören. Velofahren im Winter mag zwar nicht jedermanns Sache sein, doch wer den Versuch wagt, dem vergeht die Lust nicht wegen der frischen Luft, sondern spätestens beim Versuch, die Velowege zu benutzen. Diese werden u.a. für Schneeablagerungen und Zusatzparkplätze benutzt. Sogar Velohauptrouten geniessen gerade mal fünfte Priorität bei der Schneeräumung, wie Beispiele in der Innenstadt deutlich machen.
Dabei sollte nicht vergessen gehen, dass der Veloverkehr nicht nur energieeffizienter unterwegs ist als der öffentliche Verkehr, sondern auch den zunehmend unter Verstopfung leidenden Strassenraum wirksam entlasten könnte. Sind z.B. auf der Fläche eines Autoparkfeldes ein halbes Dutzend Velos abgestellt, so bedeutet dies, dass anderswo 5 Autoparkplätze frei sind.
Die Grünliberalen setzen sich dafür ein, dass auch in St.Gallen das urbane Potential der Mobilität auf zwei Rädern erkannt und genutzt wird. Dafür braucht es nicht nur ‚grosse Würfe‘, häufig kann schon mit absolut vertretbaren organisatorischen Verbesserungen eine deutliche Attraktivitätssteigerung erreicht werden. Also bei bestem Kosten-Nutzen-Verhältnis – so wie es für den Veloverkehr eben typisch ist.