Das vom Bundesrat verabschiedete Konzept «Verkehr ’45» ist für die Ostschweiz ernüchternd. Der 2018 vom Bund in Aussicht gestellte Vollknoten im Hauptbahnhof St.Gallen (reguläre Fahrzeit nach Zürich unter einer Stunde und schlanke Umsteigezeiten) fehlt im aktuellen Paket vollständig. Ebenso bleibt das 2013 vom St.Galler Stimmvolk beschlossene S-Bahn-Konzept mit einem 15-Minuten-Takt weiterhin ohne Umsetzungsperspektive.
Eine zukunftsgerichtete Verkehrspolitik würde diese Massnahmen neuen Strassentunnels klar vorziehen. Der Bau grosser Tunnelprojekte verursacht erhebliche CO₂-Emissionen bereits in der Bauphase und belastet die Klimabilanz über Jahrzehnte. Der Vorschlag eines Trams vom Hauptbahnhof zum Stephanshorn wirft zudem Fragen zur verkehrlichen Wirkung, zur Netzintegration und zu den tatsächlichen Prioritäten in der St.Galler Verkehrsplanung auf.
Objektive Kosten-Nutzen-Abwägung statt Ideologie
Für die Grünliberalen ist klar: Jedes Verkehrsproblem sollte mit jenem Verkehrsträger gelöst werden, der das beste Kosten-Nutzen-Verhältnis aufweist. In die Beurteilung einzubeziehen sind dabei auch die Auswirkungen auf Lärm, Flächenverbrauch, Luftqualität und Ökobilanz.
Den öffentlichen Verkehr und den motorisierten Individualverkehr gegeneinander auszuspielen greift zu kurz. Ziel muss eine effiziente Aufgabenteilung der Verkehrsträger sein. Gemäss einer Auswertung von 42Hacks lassen sich vor allem in Städten ein Drittel aller Fahrten schneller mit dem ÖV zurücklegen. In der Praxis liegt der Anteil von Bahn und Bus jedoch nur bei 19%.
Durch gezielte Raumplanung können die meisten Ziele des Alltags innert 10 bis 15 Minuten zu Fuss oder mit dem Velo erreicht werden. Dass dieser Ansatz wirkt, zeigt die Entwicklung in der Stadt St.Gallen: Seit 2018 ist der motorisierte Individualverkehr auf Stadtgebiet nachweislich zurückgegangen.
Kein Platz für zusätzlichen Autoverkehr
Die Grünliberalen sehen für St.Gallens Strassennetz ausschliesslich Erhaltungsmassnahmen, jedoch keinen Kapazitätsausbau. Diese Haltung entspricht der mehrfach bestätigten Verkehrspolitik der Stadt St.Gallen und wird auch vom Stadtrat geteilt.
Zusätzlicher Autoverkehr kann in der Stadt weder rollend noch parkierend aufgenommen werden – dafür fehlen schlicht notwendigen Flächen. Der geplante Zubringer Güterbahnhof würde zudem den Zielen der Klimaanpassung widersprechen. Im Mitwirkungsbericht des Kantons St.Gallen blieben beim Projekt zentrale Detailfragen offen, was erhebliche Zweifel an der Umsetzbarkeit der Teilspange aufkommen lässt.
Die Grünliberalen lehnen Projekte ab, die auf zusätzlichen Autoverkehr setzen und den Zubringer Güterbahnhof oder den Liebeggtunnel beinhalten. Sie setzen sich stattdessen für Investitionen in Bahn, S-Bahn und eine raumverträgliche Mobilität ein.