Die Lebensdauer von Wohnhäusern Gewerbebauten, Schulhäusern und anderen öffentliche Bauten, sogar Kirchen, ist beschränkt. Wenn sie nicht gerade aufgrund ihres Alterns oder bemerkenswerter Bauweise geschützt sind, kann von einer Lebensdauer von weniger als 100 Jahren ausgegangen werden. Umgebaut wird alle 50 Jahre. Bauten aus neuerer Zeit werden gar bereits nach 50 Jahren geschliffen. Hochkonjunkturmehrfamilienhäuser, Schulhäuser und auch Olma-Hallen sind aktuelle Themen in der Stadt St.Gallen.
Es mag gute Gründe für einen Rückbau geben: eine Zweckänderung, Baumängel, andere Prioritäten, Stand der Technik oder auch der Zeitgeist. Was einst feierlich eröffnet wurde, hat also fast immer ein Ablaufdatum.
Der Bausektor verursacht am meisten Abfall und ebenfalls einen hohen CO2-Ausstoss. Dabei wäre es verhältnismässig, durch die Wahl der Materialen und deren Verbauung, dafür zu sorgen, dass bei einem Rückbau viel rezykliert und wenig deponiert werden muss. Überlegte statische und architektonische Konzepte – auch Kompromisse könnten dafür sorgen, dass ein Gebäude nach einer Umnutzung ein neues Leben findet. Ökologisch ist es fragwürdig, intakte Bausubstand mit viel Energie in eine Deponie zu verfrachten und neue – ebenfalls mit viel Aufwand und Emissionen, abzubauen, zu verarbeiten, hierhin zu transportieren und zu verbauen.
Frauenfeld hat es abgerissen, Bern macht daraus tatsächlich Wohnungen, St.Gallen überlegt noch. Spitalhochhäuser sind nur ein Beispiel. Rückgebaut bis auf den Rohbau oder auf das Skelett, lassen sich daraus Büros, Praxen und auch Wohnungen machen.
Ganz im Sinn unseres Programms «Intelligenz statt Beton», sollte im Bau vermehrt auf leichte, ökologische und wiederverwendbare Materialien gesetzt werden. Wichtig ist dabei auch, dass schon beim Bau auf späteres Recycling geachtet wird, indem möglichst auf Mischstoffe verzichtet wird. Und weil nichts für die Ewigkeit ist, braucht auch nicht für diese geplant zu werden.
Beispiel Schulbauten. Geburtenraten steigen und sinken, je nach Quartier unterschiedlich. Könnte hier nicht mit mobilen Bauten zwischen den einzelnen Schulzentren gepuffert werden? Dies wäre ökologisch sinnvoll und finanziell gewinnbringend. Inkludieren wir beim Verdichten nach Möglichkeit bestehende Bausubstanz, bauen leicht und mobil und hinterlassen ein möglichst geringen Fussabdruck und wenn rückgebaut werden muss, dann mit hoher Recyclingrate.
von Markus Tofalo