Das erste Marktplatzprojekt wurde 2011 vorgelegt. Und zwei Abstimmungen später wird immer noch über Grundsätzliches diskutiert. Hier ist der Handlungsdruck jedoch so gross, dass Zuwarten und Verzichten keine Optionen mehr sind.
Woran liegt es, dass in St.Gallen nicht viel zu gelingen scheint? Es ist wohl eine Mischung aus zu hohen Ansprüchen, mangelnder Vorabklärungen und fehlendem Umsetzungswillen. Ersteres zeigt sich an den Grossprojekten Busdepot und Unicampus. Die Raumanforderungen an den Unicampus waren für die zur Verfügung stehende Grundfläche derart hoch, dass entweder kaum Platz für Aussenfläche übrig blieb oder, Volumen geplant wurden, die alles Umliegende schier erdrückten, wie im Siegerprojekt. Beim Busdepot dachte man zu wenig an die Veränderung der Flotte. Beide Fehler wären vermeidbar gewesen. Der Theaterplatz, Arbeitstitel Kulturplatz, scheiterte an Übergestaltung, das Waaghaus an den Finanzen.
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Fairerweise gilt es zu erwähnen, dass auch viele Neubauten gelungen sind. Doch Schulhäuser und Tagesstätten sind halt keine Leuchttürme, zumal die ausgeführten Bauten auch architektonisch nicht als solche gesehen werden. Hier dürfte St.Gallen mutiger sein.
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Auch der Bibliothek droht ein Aus. Das Vorhaben war schon von Beginn an politisch zuwenig breit abgestützt. An mangelnder Abstützung scheiterten auch die beiden vielversprechenden Arealplanungen St.Fiden und Bahnhof Nord, weniger an politischer aber an jenen der betroffenen Grundeigentümerschaft.
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Es fehlt den Verantwortlichen teilweise auch an Überzeugungskraft, Einbezug, Verhandlungsgeschick bzw. -kompetenz, auch an an der Fähigkeit, die Vorteile eines Projekts glaubhaft darlegen bzw. die Nachteile und Stolpersteine aus dem Weg räumen zu können. Schliesslich fehlt im Fall von Bahnhof Nord und St.Fiden den involvierten Partnern wohl auch das Vertrauen in die Stadt, das Ganze auch rechtzeitig umsetzen zu können.
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Seitens der Stadt braucht es mehr Führung und Überzeugungskraft. Sie muss aber auch bereits im Frühstadium der Planung mögliche Problempunkte erkennen und auf Hinweise eingehen. Ignorieren kann sich später teuer rächen.
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von Markus Tofalo