Finanzen – Sparen beim St.Galler Finish

Medienmitteilung

Finanzen – Sparen beim St.Galler Finish

Ausgaben tief halten, Steuern senken. Wie ist dies zu erreichen? Steuergeldverschwendung findet man schnell. Für die einen sind es die Punktemarkierungen in Begegnungszonen, für anderen sind es in den Medien hochgeschaukelte Einzerfälle, welche das Sozialsystem belasten. Doch Sozialleistungen sind gegeben – und schliesslich könnte es auch einen selber treffen.

Sparen könnte man durch den Verzicht auf grosse Brocken. Doch will man das? Es ist ja nicht so, dass Projekte wie ein Busdepot oder eine Bibliothek absolut unnötig und ungewollt wären. Neben diesen Leuchttürmen geht es auch um Schulhäuser und andere wichtige Infrastruktur.

 

Sparen lässt sich auch linear über alle Bauvorhaben, indem man den St.Galler Finish streicht. Beispiel Innenaubau: Früher wurden Wände in Nebenräumen lediglich gestrichen, nicht verputzt. Beleuchtungskonzepte gab es nur für repräsentative Räume und oft wurde das Mobiliar aus dem Altbau weiter verwendet, wenn es seinen Zweck noch erfüllen konnte. In Optionen denken ist richtig, aber nicht jede Option muss bereits umgesetzt sein. Krampfhaft das Beste haben zu wollen, führt dazu, dass Grossprojekte scheitern.

 

Der St.Galler Finish kostet. Beim Strassenbau zeigt sich dieser Finish im Perfektionismus. Normen werden eingehalten, jeder Randstein gesetzt, auch wenn er in der Praxis Velofahrende stört und vom Fussverkehr nicht beachtet wird. In manchen Quartierstrassen wird der kürzeste Weg gegangen, egal ob Trottoirs vorhanden sind. Es sind nicht die Asphaltflächen im Strassenbau, die ins Gewicht fallen, sondern deren Randabschlüsse. Niemand verlangt Baumeinfassungen mit teuren Granitsteinen. Und falls Trottoirs nötig sind, nicht in jedem Fall müssen diese unversiegelt ausgeführt sein. Während andere Städte und Gemeinden bei Quartierstrasse pragmatisch planen, gelten für die Stadt Normen, die es im Einzelfall ad absurdum umzusetzen gilt. Begründet wird es oft mit der Sicherheit. Natürlich ist die eine Strasse ohne Trottoir für Zufussgehende unsicherer.

 

Doch brauchen Strassen mit 1 oder 2 Autos pro Minute überhaupt diesen Ausbaustandard? St.Gallen unterscheidet kleinlich zwischen Begegnungszone und Tempo 30 Zone. Der Unterschied liegt in der Beschilderung, baulich kann und soll es situationsgerechte Mischformen geben – auch dem Portemonnaie zuliebe.

 

von Markus Tofalo